Gedanken zum Sonntag

Wieviel Trump steckt in uns?

Aufregende Woche, sowohl für mich als auch für viele von Euch.
Bestimmt auch in Bezug darauf, was Euch beruflich und privat passiert ist.
Aber darum geht es heute mal nicht. Es geht um das, was die Wahl in den USA mit uns angestellt und in uns ausgelöst hat.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Euch nicht in irgendeiner Weise berührt hat.

Dienstag Abend, wir saßen auf der Couch und bekamen mit, wie sich die Medien beinahe überschlugen ob der Vermutungen, wer gewinnen würde. Irgendwann schaut mich Jörg an und fragte so beiläufig: „Na, wer wird gewinnen?“ Ich wie aus der Pistole: „Clinton, zwar eng, aber sie wird es wohl schaffen.“ Er war auch der Meinung. Soweit so gut. Wenn nicht da ein flaues Gefühl bei mir hochgekommen wäre….

Mittwoch: Morgens um 6:30 Uhr Fernsehen an und - Schock, Innehalten, unglaubliches Staunen…

 

Das kann nicht sein oder doch? Herr Trump auf der Überholspur, in vielen Staaten vor Frau Clinton.
Und es wurde im Laufe des Morgens nicht besser. Immer, wenn die Glocke klingelte, kam die nächste Hammernachricht:
Wieder ein Staat der an Trump ging. Bis dann das vorläufige Ergebnis über die Ticker lief: Uneinholbar, nur noch theoretischer Sieg
für Frau Clinton möglich. Letztendlich stand es fest: Herr Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Das nächste 'Wow' kam etwas später bei seiner ersten Rede: Ist das Trump, ist das der Mann, der uns zwei Jahre lang vorgeführt hat, was menschliche Abgründe sein können? Eine Rede, wie man sie von einem Präsidenten erwartet - aber doch nicht von Donald Trump!
Ich war wirklich von den Socken...

Und da begann ein Prozess in mir, der bis heute nicht enden will: Was ist passiert? Wieso konnte es so weit kommen? Was kommt als nächstes? Wie wird sich die Welt und wir uns ändern? Sind Menschen lernfähig und zu Veränderungen bereit? Fragen über Fragen! Ich fühle mich wie ein kleiner Junge, der vor Erwachsenen sitzt und sie ständig mit seinen Fragen quält. Nur sie können darauf nicht antworten. Sie wollen nicht oder nur mit althergebrachten Antworten, die mich aber nicht zufriedenstellen.

Am Donnerstag dann in der Einrichtung, in der ich als freier Dozent ab und an tätig bin.
Erstens fanden sie meine E-Mail lustig, in welcher ich als letzten Punkt auch das Ergebnis erwähnte.
Als ob sie nichts mitbekommen hätten. Ich meinte darauf: „Bestimmt nicht so, wie ich es den ganzen Tag mitbekam.“
Und ja: Den ganzen Tag lief bei uns der Fernseher. Ich verfolgte, nein ich saugte regelrecht alles auf zum Thema Wahlen.
Nicht nur dort sondern auch im Internet, etc. Schon waren wir in einer intensiven Diskussion. Und soll mir einer noch einmal sagen,
junge Menschen hätte keine Meinung und wüssten sich nicht einzubringen. Ich war nie dieser Meinung
und hier, an diesem Tag, zeigte sich die ganze Wucht der Meinungen. Von ablehnend bis begeistert war alles dabei.

Ergebnis ist, dass ich mich noch tiefer in einem Prozess befinde der sich in der Frage erschöpft:
Wieviel Trump ist in jedem von uns? Und ja: Seien wir ehrlich zu uns selbst! Haben wir nicht auch ablehnende Haltungen zu Menschen,
die nicht unserem Kulturkreis angehören? Haben wir nicht auch mal über die „Anderen“ geschimpft, uns aufgeregt und über die hergezogen? Und mit „Anderen“ sind nicht nur die Flüchtlinge gemeint - nein auch Menschen mit einer anderen Religion, anderen Einstellungen, anderen sexuellen Ausrichtung und und und.

Und da bin ich wieder bei mir, bei meinen eigenen Schatten.
Denn ich bin mir nicht mehr sicher, ob der Sieg von Donald Trump so schlecht war bzw. ist. Vielleicht wachen wir endlich auf, kämpfen für unsere Werte und unsere Art der Kultur bzw. definieren sie erst einmal. Nehmen nicht alles als gegeben hin und gehen (wieder) auf die Straße, um zu zeigen, dass wir mit politischen Entscheidungen unserer Politiker nicht einverstanden sind. Wie in hervorragender Weise bei den Demos gegen TTIP und CETA geschehen. Das wir gegen Parallelgesellschaften in unserem Land sind. Das wir bereit sind für neue Formen des Zusammenlebens: Frei von Angst um unsere Existenz und frei von Zwängen, die uns die alte Form des Zusammenlebens aufbürdet.
Fangen wir endlich an, über uns selbst - und wie wir zusammenleben wollen - nachzudenken! Um dann auch endlich entsprechend zu handeln...

Ich wiederhole gern meine Botschaft von Mittwoch:

„Keine Katastrophe, eine der größten Herausforderungen für uns alle!
Das wir uns endlich von Amerika emanzipieren, dass wir unsere demokratischen Werte verteidigen, dass wir uns nicht durch Amerika
und den Anhängern eines Krieges in denselben treiben lassen.
Wir müssen endlich in unserer Gesellschaft erwachsen werden, unser Land modernisieren und neu gestalten.
Auch bei uns ist zu spüren, dass die politischen Eliten nicht wirklich bereit sind, sich zu modernisieren und die Zeichen der Zeit wirklich anzunehmen...
Jetzt gilt es: Kümmern wir uns um uns selbst, um unsere Freunde, um unser Land! Die Zukunft fängt heute an!“

Und damit entlasse ich Euch in der Hoffnung in den heutigen Sonntag , dass bei Uns ein Umdenken beginnt. Nicht auf einmal, nicht sofort. Nein, Stück für Stück. Mit Unseren Freunden, mit unserer Familie, innerhalb unseres sozialen Netzwerks. Beginnen wir damit, sonst sehe ich schwarz, nein braun, sehr tief-braun…

PS: Ja, auch ich muss da noch einiges tun. Bin nicht fertig mit dem Prozess. Und daher: Fangen wir an... ;-)

 

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