Auf der Suche von God´s Own Country

Geronnene Zeit oder was ist aus unserem „God´s Own Country“ geworden?

 

 Zur Zeit bekomme ich die Berliner Zeitung als Probeabo. Nach dem was innerhalb des Kundenservices ablief werde ich diese nicht abonnieren.

 Auch die Zeitung lässt es oft an redaktioneller Gründlichkeit missen. An manchen Tagen ist nicht viel drin an verwertbaren und interessanten Berichten. Und doch gibt es Tage, wo es in mir aufleuchtet – wo ich den Artikel verschlinge und mir viele Gedanken dazu kommen. Manchmal passiert es mir, dass ich Tagträume. Ging es Dir auch schon mal so?

So ein Artikel ist der von einer Männerliebe unter den rauen Bedingungen in einem rauen Land.

Es war eine Filmkritik mit dem gleichnamigen Titel „God´s Own Country“. Tolle und ehrliche Filmkritik und eine gute Beschreibung was dieses Land ausmacht, auch mit den Menschen.

Und letztlich ein Aufhänger für meinen Blogbeitrag heute.

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Wochen über das Thema „Heimat“ schreiben. Also an dem Punkt wo Steinmeier darüber sprach und es überall in den Zeitungen die Runde machte.

Nur irgendwie kam ich davon ab. Wurde ich vom alltäglichen abgelenkt, oder es war einfach noch nicht soweit darüber zu schreiben. Manchmal sollten wir die Dinge reifen lassen, Zeit geben in uns zu größerem zu werden. Nun ist es soweit und ich schreibe darüber.

 

 

 

Was ist denn nun für mich das „God´s Own Contry?

Da gibt es wirklich viele, denn ich habe alleine mehr als 35 Umzüge hinter mir. Wurde immer wieder gezwungen neu meine Heimat zu finden und diese für mich zu definieren.

Ob als Kleinkind in Burg bei Magdeburg wo ich dreimal umzog, dann nach Hoyerswerda, danach nach Cottbus und letztlich nach Berlin. Das alles zu Zeiten der DDR. Nach der Wende ging es weiter: innerhalb von Berlin, dann mal nach Niedersachsen, nach Baden Württemberg und München. Nein München ist nicht Bayern. Ein Ort für sich.

Immer war ich auf der Suche nach Heimat – nach meinem „Cod´s Own Country“

Dann auch die Suche nach meiner politischen Heimat. Auch diese verlief nicht reibungslos. Schon gar nicht in der DDR. Sollte ich doch mal zu einer sozialistischen Persönlichkeit heranwachsen.

Ist sie das? Nein, nicht so richtig, Nicht im Sinne des Staates. Dazu war ich zu sehr Rebell!
Das führte letztlich zur LDPD – die Liberalen in der DDR. Auch als Fluchtpunkt vor der Vereinnahmung durch die SED. Diese Partei wollte mir echt klar machen, wenn ich schon in einem Spitzenhotel wie dem Palasthotel arbeite, habe ich auch Mitglied dieser Partei zu sein, nicht mit mir!

Ich mochte es noch nie, meine Füße unter irgendwelchen Tischen zu stellen die mir nicht gefielen – den ich nicht als den meinigen ansah.

 

Wurde es nach der Wende besser? Fand ich meine politische Heimat?


Nach den Erfahrungen mit der DDR Wirklichkeit wollte ich nichts mehr von Politik wissen. Beobachtete lieber, las viel und kümmerte mich um mich selbst. Dann, durch meine Freundschaft zu einem Mann, kam ich mit der rechten Szene in Kontakt. Was für eine Erfahrung, was für Erlebnisse über die Jahre hinweg. Nicht dass ich Mitglied oder Mitläufer war, nein durch den Verkauf von unseren Honigprodukten kam es zu den Kontakten. Insbesondere der Met (Honigwein für alle die nicht wissen was das ist…) hatte es der rechten Szene angetan – es war ihr Kultgetränk. War auch ein Trunk der Germanen und Urdeutschen wie so oft besungen und besprochen wurde. Diese Zeit der Märkte, Volksfeste und Messen möchte ich nicht missen. Denn es bewirkte eins: Ich schaute dem Volk im wahrsten Sinne auf´s Maul! Von ganz rechts bis ganz links habe ich alles kennen gelernt – kennen lernen dürfen und müssen. Es waren unsere Kunden und Kontakte. Und nicht alle Rechte waren in reinem Sinne rechts. Viele suchten nach der Wende eine „Heimat“ - ein Zuhause, denn von der Politik wurden sie, übrigens bis heute, in großen Stil allein gelassen. Ich weiß von was ich hier spreche - ich bin Zeitzeuge! Ich habe den wahren Kern der rechten Szene um Kühnen und Konsorten live kennen gelernt. Den harten Kern zusammen mit den Altnazis und NSDAP Mitläufern bei den vielen Hermann Löns Gedenkfeieren und ähnlichem.

Nach den intensiven 90iger Jahren war für mich klar: Keine politische Partei und Bewegung kann mich wirklich erreichen. Ich bin zu einer Haltung gelangt die ich heute so beschreibe:

 

„Neutral – überparteilich – dem Tier und dem Menschen zugeneigt!“

 

Eine Korrektur gebe ich gern zu: Ich bin eher links von der Mitte einzuordnen. Nur wenn ich mir Wahlomat & Co anschaue, habe ich von allen Parteien etwas in mir. Dazu stehe ich. Weil ein Mensch nun mal nicht so einfach einzuordnen ist und sich entwickelt – durch sein soziales und berufliches Umfeld geprägt wird.

 

Mein Herz hängt eher an Bewegungen wie „Stoppt TTIP oder „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Mir ganz wichtig: der Umgang mit Tieren.

 

Soviel erst mal zu meinem politischen „Grod´s Own Country. Ein Thema was mich bis zu meinem Tod begleiten wird.

 

Und wie sieht es mit der „beruflichen Heimat“ aus?

Da bin ich jetzt angekommen. In der Berufung als SLB-Coach, als freier Dozent und Trainer. Jetzt bin ich dabei dieses Land und das Haus zu gestalten. Es mit all den schönen Dingen zu füllen die das Leben als Coach und Mensch ausmachen.

 

Der Weg dahin war von vielen Abenteuern, Höhen und Tiefen geprägt. Regelrechte Abstürze pflasterten diesen Weg dahin. Eher war es zur DDR Zeiten so, dass ich fühlte angekommen zu sein. Die Arbeit im Palasthotel war für mich eine Sternstunde meiner persönlichen Entwicklung. Nicht nur in beruflicher Hinsicht. Auch in Hinsicht wie ich mich als Mensch entwickelte. Obwohl auch dieser Weg dahin nicht leicht war. Erst der Kampf um die Ausbildung, da mich meine Heimleiterin in den Tagebau stecken wollte, dann mein Coming Out während der Ausbildung, die da erst richtig zum Tragen kam. Nur ich hatte eine Stabilität und ein Ziel, im Palasthotel hieß dies Entwicklungsplan. Dieser wurde besprochen und dem Arbeitsvertrag beigefügt. Auch das war die DDR. Es wurde sich, zumindest waren dies meine Eindrücke, um den Menschen gekümmert, im positiven wie negativen Sinne. Ich war letztlich angekommen, also beruflich gesehen. und dann die Wende!

 

Die Wende war ja nicht nur für mich ein großer Einschnitt – viele tausende Menschen mussten sich neu entdecken, sich neu erfinden und neu aufstellen. Viele sind daran zu Grunde gegangen. Die Selbstmordrate war nicht ohne! Viele Existenzen wurden zerstört aus politischem Kalkül und den Notwendigkeiten die solche eine Wende mit sich bringt.

 

Ich fing ganz vorn an: Ausbildung zum Industriekaufmann, anschließend Beginn der Laufbahn als Finanzbeamter des mittleren Dienstes und dann doch Abbruch dieser Karriere. ich war immer noch ein Rebell, ein Wüterich, einer der auf der Suche war. Viel zu agil für den Job in einer Behörde. Das ist dort eine andere Welt. Für die muss man geschaffen sein, nur ich nicht!

 

Da ich in der Zeit meinen damaligen Freund kennen gelernt hatte und ihm ab und an auf den Märkten aushalf, war mir klar: ich musste diesen Weg gehen. Den Weg der Selbstständigkeit und des Ungewissen. Irgendwie mag ich diese Wege – es sind meine. Ich möchte die Zeit damals nicht mehr missen. Sie prägten mich in einer Weise die es erst möglich machten, dass ich das bin was ich heute bin. Vielen beruflichen Wegen folgte ich, viele dabei die Irrwege waren und manche die sich doch als richtig erwiesen. Auf dem Weg nach Weisheit und Erkenntnis, alles musste und sollte wohl so sein!

 

Nun bin ich angekommen – kann mit meiner Berufung als Coach leben. Bis ich die Radieschen von unten anschaue.

 

Angekommen heißt nicht Stillstand – es bedeutet Einkehr, Friede mich sich selbst und auch die Gelassenheit als die wichtigsten Bestandteile seines eigenen Dasein zuzulassen.

Daher bin ich jetzt bereit als Coach zu arbeiten. Deshalb auch noch einmal die Ausbildung mit Zertifikat dazu.

 

Dann gibt es noch das „God´s Own Country“ der besonderen Art. Die der schwulen Communtiy.

Nie wieder habe ich mich in der so wohl geführt und heimisch gefühlt wie zu DDR Zeiten!

Ja, ich muss es so sagen und festhalten. Klar gab es die tollen Momente und Begebenheiten auch nach der Wende, insbesondere in der ersten Hälfte der Neunziger. Nur was sich innerhalb und wie sich was innerhalb der Community entwickelt hat, ist nur verachtenswert. Ja, es geht heute in der Szene nur noch um Oberflächlichkeiten – um mehr Schein als Sein! Diesen Zusammenhalt wie ich ihn zu DDR Zeiten erlebt habe, dieses familiäre, sich unterstützende und sich helfen, habe ich leider so immer weniger nach der Wende erleben dürfen. Es gab Zeitabschnitte wo ich dies in Ansätzen wieder entdeckte. Z.B. in der SM-Szene oder als ich einer schwulen Soldatentruppe angehörte.

 

Auch die AIDS-Community war eine Zeit lang meine Heimat. Da war ich noch nicht infiziert. Nur wie diese Menschen kämpften und sich gegenseitig unterstützten, dass imponierte mir und führte dazu, dass ich in den Neunzigern, so bis Mitte der Neunziger, mich denen anschloss und dort mich einbrachte. Zumindest seit den Zweitausender kann ich sagen, so meine Beobachtungen aus der Summe vieler Gespräche und dem was ich gelesen habe, dass sich die schwule Szene und wie auch immer die sich heute nennt, auf einen falschen Weg begeben hat! Diese Flügelkämpfe, diese unmenschlichen Auseinandersetzungen bis hin zu politischen Mord untereinander, das ist nicht mein Verständnis von Zusammenhalt und sich Bemerkbar machen.

 

Es fehlt die Kraft der Selbstreflexion innerhalb der Gay-Community!

 

Ich bin froh, dass ich meine Heimat dahin gehend gefunden habe. ich lebe jetzt mit einem Mann zusammen und das ist gut so. Dies ist und wird so lange wie möglich mein „God´s Own Country“ sein. So mit allem was dieses „Country“ an Rauem und Schönem mitbringt.

 

„God´s Own Country“ ist sozusagen eine Umschreibung für ein Stück Heimat auf dieser Erde. Ein Stück Paradies, ein Stück irdisches Paradies, dies versuchte ich an Hand meiner Geschichte aufzuzeigen, wie schwer es ist diese zu finden, wie wahnsinnig beschwerlich der Weg sein kann.Dass wir auch vieles aufgeben müssen um dieses zu finden. Dass wir auch viele Irrwege und Fehlentscheidungen treffen müssen um dahin zu gelangen. Es ist kein leichter Weg dahin.

Nur: Es lohnt sich diesen Weg zu gehen – in das “God´s Own Country“!

 

 

 


Ich wünsche Dir, dass auch Du Dein Stück Paradies, Dein Stück Heimat findest. Wie auch immer Du dahin kommst, tue es und mach Dich auf den Weg dahin. Denn eins kann ich Dir mit auf den Weg geben: So beschwerlich der Weg auch sein wird, er wird Dich prägen – Dich als Mensch formen. Dich in Deinem Wesen reifer werden lassen. Ja, den Willen dazu musst Du haben – den solltest Du mitbringen. Ich kann Dir nur aufzeigen, durch die Einblicke in meiner Geschichte, dass es sich lohnt.

 

Dir eine schöne Zeit auf den Weg in Dein „God´s Own Country“!

 

#Holger Schönhardt

 

 

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